1984 calling!
Orwell, Uschi. Nicht Clooney.
Er will sein Buch zurück – bevor Brüssel auch daran noch die Nutzungsrechte anmeldet.
Du nennst es Chatkontrolle.
Ich nenne es: ein digitales Misstrauensvotum gegen den Bürger.
Ein Europa, das alles sehen will, um alles Gute zu tun – das klingt fast wie Liebe, ist aber Kontrolle mit freundlichem Interface.
Du sagst, es gehe um Sicherheit. Klar.
Niemand bestreitet den Schutzauftrag. Aber wer Inhalte präventiv scannt, filtert oder meldet, verschiebt die Grenze: vom Täter zur Allgemeinheit.
Von Verantwortung zu Verdacht.
Von Freiheit zu Freigabe.
Auch Orwells Big Brother wollte nur das Beste. Nur dass damals wenigstens keiner behauptet hat, es sei für unsere Demokratie.
Und während du, Uschi, in Brüssel neue Filter zusammenschraubst, singe ich Stephan Sulke:
„Uschi, mach kein Quatsch, Uschi, komm, sei lieb zu mir …“
Der Unterschied:
Bei Sulke war es Ironie. Er gab sich auf – aus Liebe.
Du gibst uns auf – aus Fürsorge, wie Du sagst.
„Ich werd dich auch nie wieder küssen, ohne erst zu fragen …“ – bei dir heißt das:
Wir dürfen nur noch posten, was vorher genehmigt wurde. Selbstzensur als Liebesbeweis. Ein zärtliches Ich beobachte dich. Angeblich unter dem Siegel europäischer Werte.
„Ich werd mich in die Küche stellen und mir Mühe geben …“ – oder wie Du es möchtest:
Wir beugen uns, wir melden, wir filtern, wir bekennen. Alles ordentlich, alles brav, bis Europa klingt wie der letzte Absatz aus Orwells 1984:
„Er liebte die Große Uschi.“
Du redest von Werten, aber was du meinst, ist Kontrolle.
Du redest von Verantwortung, aber was du lieferst, ist betreutes Denken.
Gedankenhygiene statt Gedankenfreiheit.
Ich mag Europa, wirklich.
Aber nicht dieses, das aus Liebe zum Menschen den Menschen als Risiko begreift.
Nicht dieses, das glaubt, Wahrheit entstehe durch Moderation.
Nicht dieses, in dem sich die Freiheit in Zimmer 101 langsam selbst löscht.
Denn der Unterschied zwischen Moderation und Zensur ist einfach:
Transparenz, Freiwilligkeit, Widerspruch, Gerichtsbarkeit.
Wo diese vier fehlen, beginnt Kontrolle, egal wie benutzerfreundlich das Interface aussieht.
Uschi, mach kein Quatsch.
Lies Orwell noch einmal – ganz.
Nicht als Handbuch, sondern als Warnung.
Lass den Bürgern ihr Denken, auch wenn’s unordentlich ist.
Auch wenn’s wehtut.
Denn wer anfängt, Sprache zu überwachen, landet bei Gedanken.
Und wer Gedanken kontrolliert, muss irgendwann erklären, warum keiner mehr widerspricht.
Uschi… George ruft an.
Orwell ruft an. Er erkennt seine Geschichte wieder – nur das Marketing ist neu.
Und Sulke?
Der singt in meinem Kopf leise weiter:
Uschi, komm, sei lieb zu mir, und wenn du wirklich lieb zu mir sein willst, dann lass mich in Ruhe: Ich will weder Tulpenstängel heißen, noch Winston Smith.
( Stephan Sulke – Uschi, mach kein Quatsch https://youtu.be/D2H7Ad3QshE?si=eFWX-R_p6aYlOwzv )
