OPPS….das war Absicht.
Mein Radsportjahr 2026. Eine Zwischenbilanz.
Es gibt diese Momente, in denen man feststellt, dass aus einem Hobby längst eine Leidenschaft geworden ist. Und dass aus ein paar sportlichen Vorsätzen plötzlich ziemlich respektable Zahlen geworden sind.
2026 war für mich so ein Jahr.
Angefangen hat es mit ein paar ambitionierten Zielen. Ich wollte endlich die magische Grenze von 100 Kilometern bei einer Ausfahrt knacken. Dreistellig. Und ich wollte 5.000 Kilometer im Jahr fahren. Auf der Straße und auf der Rolle zusammen.
Heute, Mitte Oktober, stehen knapp 5.300 Kilometer auf dem Tacho. Die 100-Kilometer-Marke ist längst keine unüberwindbare Grenze mehr. Mehrfach gefallen. Beide Saisonziele erreicht. Und das Jahr ist noch nicht einmal vorbei.
Man könnte jetzt sagen: Na und? Andere fahren das Doppelte.
Stimmt. Aber die anderen sind nicht mein Maßstab. Ich fahre schließlich mein Rad und nicht ihres.
Aus vier Männern wurde ein Team. OPPS.
Olaf. Patrick. Peter. Sascha.
Vier Vornamen, vier Anfangsbuchstaben. OPPS.
Ein Name, der eher nach einem mittelschweren Missgeschick klingt als nach einer ambitionierten Radsportformation. Aber genau deshalb passt er perfekt.
Mit Sascha, einem meiner besten Freunde, und Olaf und Patrick haben wir eine Ausfahrtgemeinschaft gegründet. Keine große Vereinsbürokratie, kein Vorstand, keine Marketingabteilung. Einfach vier Typen, die gerne Rad fahren. Und das ziemlich ernst nehmen, ohne sich selbst dabei allzu ernst zu nehmen.
Acht RTF, zwei vRTF und jede Menge gemeinsame Kilometer stehen inzwischen in der Bilanz. Dazu wunderbare Ausfahrten, Gespräche, gelegentlich schwere Beine und diese seltenen Augenblicke, in denen auf dem Rad einfach alles stimmt.
Auch vereinsmäßig hat sich etwas getan. Neben meiner Mitgliedschaft bei Bike Aid e. V. bin ich jetzt auch Mitglied beim RC 03 Ilbenstadt. Die Breitensportlizenz für 2026 habe ich ebenfalls gelöst.
Man könnte sagen, das Ganze bekommt langsam eine gewisse Struktur. Keine Sorge, die anarchischen Grundzüge bleiben erhalten.
Zwölf Kilo weniger. Vierzehn Prozent mehr Leistung.
Es wäre allerdings falsch, dieses Jahr nur auf die Kilometer zu reduzieren.
Ich habe rund zwölf Kilogramm Körpergewicht verloren. Meine Schwellenleistung ist um etwa 14 Prozent gestiegen. Im September standen beim FTP-Test 218 Watt auf dem Display.
Mit 59 Jahren.
Nicht, weil ich plötzlich ein verborgenes Jahrhunderttalent entdeckt hätte. Sondern weil kontinuierliches Training funktioniert. Weil man sich verbessern kann. Auch dann noch, wenn andere längst anfangen, das Alter als universelle Entschuldigung zu benutzen.
Und nein, ich habe nicht vor, mein Leben einem asketischen Trainingsregime zu unterwerfen. Ich liebe gutes Essen. Ich liebe guten Wein. Ich genieße das Leben. Das soll auch so bleiben.
Denn was wäre das für eine absurde Form von Fitness, wenn man vor lauter Selbstoptimierung vergisst, wofür man eigentlich fit sein möchte?
Radsport ist für mich vor allem Freiheit.
Die Freiheit, sich Ziele zu setzen. Die Freiheit, an ihnen zu scheitern und es erneut zu versuchen. Die Freiheit, morgens aufzusteigen und irgendwann mit müden Beinen und einem ziemlich zufriedenen Grinsen zurückzukommen.
Manchmal allein. Manchmal mit OPPS. Manchmal auf der Rolle, während draußen das Wetter jede vernünftige sportliche Betätigung unter freiem Himmel verweigert.
Und natürlich mit einer gehörigen Portion Ehrgeiz.
Ich will besser werden. Schneller. Ausdauernder. Nicht, um irgendwem etwas zu beweisen. Sondern weil Stillstand eine ziemlich langweilige Angelegenheit ist.
Das Schöne am Radsport ist schließlich, dass er keine Ausreden akzeptiert. Der Berg wird nicht flacher, weil man schlecht geschlafen hat. Der Gegenwind verhandelt nicht. Und die Wattzahlen interessieren sich nicht für das eigene Ego.
Das hat etwas wunderbar Ehrliches.
2026 ist noch nicht zu Ende.
Der Winter kommt. Zwift wartet. Die nächsten Trainingsziele stehen schon im Raum. Es gibt also wenig Anlass, die Beine hochzulegen.
Aber eines kann ich jetzt schon sagen: Dieses Radsportjahr hat mir unglaublich viel gegeben. Nicht nur Fitness und Kilometer, sondern auch Freundschaft, Gemeinschaft und eine Menge Lebensfreude.
Danke an Sascha, Olaf und Patrick. Danke an meine Vereinskollegen. Und an alle, mit denen ich in diesem Jahr Kilometer teilen durfte.
Am Ende bleiben ohnehin nicht die Zahlen in Erinnerung. Sondern die Menschen, die Momente und die Geschichten, die man unterwegs erlebt.
Und sollte jemand fragen, ob das alles mit fast 60 nicht ein bisschen übertrieben ist?
Doch. Vielleicht.
Aber wer hat eigentlich behauptet, dass Vernunft immer Spaß machen muss?
OPPS. Wir fahren weiter.
